Castor-Probleme | Drohnengefahr | Militarisierung Urenco:
Neuer Brief an die NRW-Landesregierung
‒ „Beunruhigende Fahrlässigkeit in Sicherheitsfragen“
‒ Neue Castor-Pause zwischen Jülich und Ahaus?
Die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland und in Jülich haben sich erneut schriftlich an NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne), NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) gewandt. Sie möchten Auskunft zu den neuen Problemen und zur verschärften Sicherheitslage rund um die Atomanlagen und Atomtransporte in NRW bekommen. Dabei fokussieren sich die Initiativen auf die Probleme bei den bisherigen Castor-Transporten, auf die verschärfte Gefahrenlage nach dem Anschlagsversuch mit Sprengstoff-Drohnen am Leipziger Flughafen sowie auf die Militarisierung der Urananreicherung durch die britische Regierung. Die Initiativen befürchten, dass die Landesregierung in der Atompolitik eine erstaunlich beunruhigende Fahrlässigkeit in Sicherheitsfragen an den Tag legt.
Atompolitik trotz steigender Gefahren kein Thema für Landesregierung?
So fanden schon zwei Castor-Transporte ohne Hubschrauber-Begleitung statt, die sonstige Polizei-Begleitung wurde bereits für den sechsten Castor-Transport um mehr als 80 Prozent verringert und Schutzmaßnahmen gegen die nunmehr reale Drohnengefahr sind nicht zu erkennen. Das gilt auch für den Schutz der stationären Atomanlagen in Jülich, Ahaus und Gronau – und dort insbesondere für die Freilagerung von Tausenden Tonnen abgereichertem Uranhexafluorid ohne jeden Schutz unter offenem Himmel. Zudem halten die Initiativen es für unglaubwürdig, dass die Atomaufsicht NRW keine Ahnung von den Plänen der Urenco haben will, in Großbritannien in Zukunft Uran auf Wunsch der britischen Regierung für das Militär auch auf atomwaffenfähiges Niveau anreichern zu wollen. Dies hatte die Landesregierung gegenüber der taz behauptet. Dabei sitzen zwei der vier Anteilseigner − RWE und E.ON − in NRW und mit Gronau und Jülich gibt es gleich zwei Standorte der Urenco und der Urenco-Tochter Enrichment Technology Company (ETC) in NRW.
„Die realen Sicherheitsgefahren nehmen spürbar zu. Doch die Landesregierung tut so, als sei in der Atompolitik nicht zu tun. Das ist brandgefährlich und wird sich früher oder später rächen. Wer aus Kostengründen oder Personalmangel die Sicherheit der Atomanlagen und Atomtransporte nicht garantieren kann oder will, sollte die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus und die Urananreicherung in Gronau schleunigst einstellen. Wir sind gespannt auf die Antworten aus Düsseldorf“, erklärten Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ gemeinsam.
„Die Pläne der britischen Regierung, die Urananreicherung und die Uran-Zentrifugen-Technologie jetzt ganz offen auch für militärische Zwecke nutzen zu wollen, beunruhigt uns sehr. Atomares Wettrüsten wie im Kalten Krieg steigert das Risiko – nicht die Sicherheit. Dass die Landesregierung hier als Atomaufsicht gegenüber den Medien bislang einfach abtaucht, ist ein Unding. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was in NRW und mit Beteiligung aus NRW atompolitisch real vor sich geht. Deshalb haken wir erneut nach“, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau.
Neue Castor-Pause zwischen Jülich und Ahaus?
Zugleich gab es in der letzten Woche erneut eine Castor-Pause zwischen Jülich und Ahaus. Und den Initiativen liegen Informationen vor, dass auch diese Woche kein Castor fahren soll. Grund dafür könnte unter anderem der Polizeibedarf für den Auftakt der neuen Bundesliga-Saison sein. Dabei sind erst 14 von 152 Castoren transportiert worden – jeder einzelne begleitet von Protest. Da seit Transportbeginn Ende März erst weniger als 10 Prozent der Castoren bewegt wurden, bedeutet dies hochgerechnet in diesem Tempo einen Transportzeitraum von mehr als vier Jahren – und das auch nur, wenn keine weiteren Probleme auftauchen.
Für den 17. Oktober kündigen die Initiativen eine große Anti-Atom-Demonstration in Ahaus an.
Hinweis:
Den Brief an die Minister:innen Neubaur, Reul und Krischer finden Sie zu Ihrer Information hier:
Klicke, um auf Brief-zu-Atomfragen-an-Neubaur_Reul_Krischer_260826.pdf zuzugreifen
(Beitragsbild: © pixabay.com)







