Dritter Castor mit gefährlichen Sicherheitslücken

Castor mit gefährlichen Sicherungslücken:

  • Atomkraftgegner:innen gelangen auf unbewachte Autobahnbrücken
  • Kein Begleithubschrauber mehr
  • Führt Personalmangel zu Abstrichen bei Sicherung?

Beim dritten Castor-Transport von Jülich nach Ahaus ist es in der vergangenen Nacht zu schwerwiegenden Sicherungslücken gekommen: Atomkraftgegner:innen gelangten unbemerkt auf zwei unbewachte Autobahnbrücken – einmal sogar direkt zur Durchfahrt des Castor-LKWs. Das lag offensichtlich daran, dass die Polizei erheblich weniger Personal eingesetzt hat und sogar auf den normalerweise üblichen Aufklärungs-Hubschrauber vor dem Castor verzichtet hat. Ob die mobile Drohnen-Abwehr noch im Einsatz war, ist ebenfalls fraglich.

„Wir sind entsetzt, dass unsere Befürchtungen schon beim dritten Castor-Transport eintreten. Weil die NRW-Landesregierung anscheinend die hohen Kosten für die polizeiliche Castor-Begleitung möglichst stark eindämmen will, fährt sie die Sicherung der Atommüll-Transporte unverantwortlich herunter. Unbewachte Autobahnbrücken, fehlender Hubschrauber – das sind gravierende Fahrlässigkeiten, die zeigen, dass weder die Polizeiführung noch das NRW-Innenministerium die erheblichen Gefahren durch die hochradioaktiven Atommüll-Transporte wirklich ernst nehmen“, so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen in einer ersten Bewertung.

„Anmelder:innen von Demonstrationen müssen sich regelmäßig mit der Polizei vor Gericht aus `Sicherheitsgründen` um den freien Zugang zu Autobahnbrücken streiten. Doch die Polizei selbst lässt diese im Dunkeln völlig unbewacht offenstehen. Das ist absurd“, ergänzte Hanna Poddig von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.

Bei den ersten beiden Castor-Transporten waren noch 2000 beziehungsweise 2400 Beamte im Einsatz. Beide Male kam es zudem vor der Abfahrt in Jülich und nach der Ankunft in Ahaus zu Pannen: Der erste Castor konnte im Zwischenlager Ahaus eine Woche lang nicht an des externe Überwachungssystem angeschlossen werden und beim zweiten Castor verzögerte ein Problem mit der externen Stromversorgung die Abfahrt des Transport-LKW.

19. Mai: vierter Castor − neue Proteste in Jülich und Ahaus

Die Anti-Atomkraft-Initiativen gehen derzeit davon aus, dass in zwei Wochen, am Dienstag, 19. Mai, der vierte Castor von Jülich nach Ahaus rollen wird. Sie kündigen dazu neue Proteste in Jülich und Ahaus sowie entlang der 170 Kilometer langen Autobahnstrecke an.

„Der bisherige Ablauf der Castor-Transporte bekräftigt uns darin, weiterhin auf die Straße zu gehen. Polizei-Konvois auf der Autobahn sind keine Atommüll-Entsorgung. Bundes- und NRW-Landesregierung sind ganz offensichtlich dem Thema Atommüll nicht gewachsen. Wir hätten nie gedacht, dass es tatsächlich zu diesem jahrelangen Castor-Marathon auf der Autobahn kommen könnte – von einem Zwischenlager in ein anderes Zwischenlager, ohne Klärung der Endlagerfrage. Das ist völlig sinnlos und der schiere Wahnsinn. Hier offenbart sich ein massives politisches Versagen in Berlin und Düsseldorf. Die Castor-Transporte müssen dringend gestoppt werden“, erklärten Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ gemeinsam.

„In Jülich gab es gestern Abend (05.05.) einen Vorfall: Nach Beendigung der Mahnwache kamen zehn Polizisten auf unsere Demo-Gruppe zu, kesselten drei von uns ein und wollten ihre Personalien aufnehmen. Einer von ihnen wurde ziemlich heftig zum Mannschaftswagen abgeführt, weil er sich zunächst weigerte, seinen Personalausweis zu zeigen. Sie wollten ihn zu Boden drücken, um ihn zu durchsuchen. Dann zeigte er ihnen schließlich doch seinen Personalausweis. Der Vorwurf der Polizei lautete, die drei Aktivisten hätten sich auf einem Privatgelände aufgehalten. Die Aktivisten hatten sich jedoch lediglich auf einer Wiese hinter dem Forschungsgelände bewegt. Dort gab es weder ein `Betreten verboten`-Schild noch eine Absperrung.“

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