RWE und EON vor Wiedereinstieg in AKW-Bau

Hintergründe zu Urenco:

Urenco ist ein britisch-niederländisch-deutscher Uranreicherer, der zu je einem Drittel dem britischen und niederländischen Staat gehört. Das deutsche Drittel teilen sich RWE und EON. Urenco betreibt in Gronau/Westfalen, in Almelo/NL, in Capenhurst/UK sowie in Eunice/USA insgesamt vier Urananreicherungsanlagen und ist damit nach der russischen Rosatom der zweitgrößte Urananreicherer weltweit.

Eigene Atomkraftwerke betreibt Urenco bislang nicht. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Urenco jedoch an der Konstruktion von sogenannten Small Modular Reactors (SMR), die in diesem Jahrzehnt erstmals gebaut werden sollen. Gemäß einer Antwort der Bundesregierung im Bundestag vom 11. November 2019 werden dazu unter anderem Dutzende Standorte in Großbritannien und Kanada untersucht (Bundestags-Drucksache 19/15023, s. unten).

Der Urenco-Gründungsvertrag von Almelo (1970) billigt den drei Regierungen in London, Den Haag und Berlin weitgehende Aufsichtspflichten und -rechte zu. Strategische Entscheidungen können bei Urenco nur im Einvernehmen zwischen allen Anteilseignern und Regierungen getroffen werden. Das bedeutet, dass sowohl RWE und EON, aber auch die Bundesregierung ein Veto-Recht für derartige Entscheidungen besitzen.

Ein Grund dafür ist, dass die Urananreicherung grundsätzlich immer zur Anreicherung von atomwaffenfähigem Uran geeignet ist und Urenco zum Beispiel auch mit dem US-Pentagon über gemeinsame Projekte verhandelt. In Großbritannien unterstützt die zivile Atomenergienutzung ebenfalls das militärische Atomwaffenprogramm. Anti-Atomkraft-Initiativen kritisieren die fortschreitende Militarisierung der Urananreicherung schon seit Jahren.

Quellen: https://www.urenco.com/news/global/urenco-joins-sizewell-c-consortium

https://www.tubantia.nl/almelo/kerncentrale-in-het-klein-urenco-werkt-aan-nieuw-soort-minireactor~a0966950/?referrer=https%3A%2F%2Femail.t-online.de%2F

Hintergründe zu den sog. Modulreaktoren von Urenco: https://dserver.bundestag.de/btd/19/150/1915023.pdf

Hintergründe zu den AKW-Plänen in NL/Eemshaven: https://www.emderzeitung.de/lokales_artikel,-borkum-k%C3%BCndigt-klage-gegen-atom-pl%C3%A4ne-an-_arid,2076177.html

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Niederlande-erwaegen-Atomkraftwerk-Bau-in-Eemshaven,aktuelloldenburg5714.html

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/emden-hannover-energie-niedersachsen-gegen-atomkraftwerk-vor-haustuer_a_50,10,822142425.html

Hintergründe zu den britischen AKW-Plänen: https://de.reuters.com/article/us-britain-nuclear-sizewell/uk-looking-at-fundingoptions-for-edfs-sizewell-c-nuclear-plant-idUSKBN26824E

Infos zu den AKW-Plänen von RWE/EON in GB bis 2012: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kernkraftwerke-neue-reaktoren-werden-weltweit-geplant-und-gebaut/3755168.html?ticket=ST-5731185-0fNaggBtPeokDB0Opsj6-ap3

https://www.industryweek.com/the-economy/article/21941911/rwe-eon-pull-plug-on-horizon-nuclear-power-venture

Weitere Informationen: www.sofa-ms.de, www.bbu-online, www.ippnw.de, www.bi-luechow-dannenberg.de

(Quelle: Pressemitteilung)



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