Polizei-Großeinsatz im Dannenröder Wald

Der Konflikt um den Bau der A49 und die damit verbundenen Rodungen erreicht eine weitere Eskalationsstufe.

Nachdem bereits ab dem ersten Oktober Rodungen im Herrenwald und folgend auch im Maulbacher Wald stattfanden, begann die Polizei heute (10. November) um 7.30 Uhr den Einsatz im Dannenröder Wald, um auch dort für den Bau der Autobahn Rodungen durchführen zu können. Zunächst wurde das Baumhausdorf „Drüben“ in der Nähe der B62 umstellt; außerdem wurden am Waldeingang Dannenrod Einsatzkräfte positioniert. Der Dannenröder Wald ist bereits seit Oktober letzten Jahres von Aktivist*innen bewohnt, die damit den Bau der A49 durch den gesunden, 300 Jahre alten Mischwald und ein Trinkwasserschutzgebiet verhindern wollen. Sie kündigen an, dass ihr Protest hier stärker denn je sein wird.

„Wir werden diesen Wald verteidigen, das haben wir vor über einem Jahr gesagt und getan. Der heute (10. November) begonnene Angriff auf den Dannenröder Wald zeigt uns einmal mehr, dass die Politik in der Klimafrage fundamental versagt. Deshalb sehen wir uns gezwungen, auch diesen Wald mit unseren Körpern vor der unglaublichen Zerstörungswut und der veralteten A49 zu schützen“, so Nia aus der Waldbesetzung. „Wir werden den Kampf für eine klimagerechte Welt, für die Ökosysteme hier im
Wald und für eine radikale Verkehrswende nicht aufgeben. Wir rufen alle auf, sich uns anzuschließen und gemeinsam diesen Wald zu verteidigen. Eines können wir versprechen: Ihr werdet euch an dieser Räumung die Zähne ausbeißen!“

Nach der gestrigen Pressekonferenz der Polizei ist zu erwarten, dass die Räumungen und Rodungen im Dannenröder Wald sehr viel aufwändiger werden als die Einsätze zuvor. Die Polizei spricht von rund 400 Barrikaden auf den Waldwegen. Diese sind teilweise bewohnt. Hinzu kommen zahlreiche Konstruktionen wie „Tripods“, also dreibeinige Gestelle, auf denen sich Menschen positionieren, um die Räumung zu erschweren, sowie weitere Blockadestrukturen. Die Räumungen dieser Strukturen durch Spezialkräfte sind aufwändig, weil Fehler lebensgefährlich werden können. Vor allem aber sind innerhalb eines Jahres mehr als hundert Plattformen und Baumhäuser entstanden.

„Wir sind unglaublich wütend! Der Bau der A49 ist Gewalt gegen Menschen, die jetzt schon wegen dem Klimawandel weltweit massenhaft auf der Flucht sind und ihre Lebensgrundlagen verlieren.
Auch waren die bisherigen Fällungen tödliche Gewalt gegen die wunderschönen Bäume und alle Lebewesen, die dort ihr Zuhause fanden“, so ein Aktivist aus dem Barrio „Drüben“, in dem heute die Polizei den Einsatz begann. „Diese ganzen Gewaltformen, die wir in Herri und Mauli
mitansehen mussten, sind jetzt auch im Danni geplant. Aber hier ist das Ganze noch viel persönlicher, weil wir hier wohnen und zu diesen Bäumen und Orten eine persönliche Bindung aufgebaut haben. Gewalt ist der Normalzustand im faschistoid-patriarchalen Kapitalismus. Für die staatlichen und wirtschaftlichen Institutionen, die hier die Macht haben, sind konsequenter Umweltschutz und ernst gemeinte Nachhaltigkeit undenkbar: Die Sucht nach wirtschaftlichem Wachstum, Rendite und Macht werden immer vor den Bedürfnissen von Menschen und anderen Lebewesen kommen. Deshalb werden wir den Danni kompromisslos verteidigen!“

(Quelle: Pressemitteilung)

Bild: pixabay.com Michael Gaida

„Grüne Politik“ im Jahr 2020 bedeutet Asphalt vor Wald?

… siehe Tweet Torsten Felstehausen MdL Hessen

Hessischer Landtag Parlamentsdatenbank: Dringlicher Antrag von Fraktion der CDU; Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

12.11.2020 Drucksache 20/4072

„Weiterbau der BAB 49: Ergebnis des rechtsstaatlichen Verfahrens respektieren“

 

Pressekonferenz des Bündnisses „Wald statt Asphalt“ am 6. November 2020 vor der gerodeten Trasse der A49.

Herrenloswald#Danni0611#WaldStattAsphalt

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