Zwei gegen Alle

Zwei Anwohnerinnen gegen das Überfahren von Amphibien

Renningen, in der Nähe von Stuttgart, hier liegt das Naturschutzgebiet „Am Längenbühl“. Zum Leidwesen von Feuersalamander und Kröten führt stark frequentierter Verkehr durch das Naturschutzgebiet.

© Spörl-Sang

Zwei Frauen allein im Wald: Anita Wagner und Katrin Spörl-Sang. Mit all ihrer Energie und bei jedem Wetter kämfen sie gegen das Überfahren von Amphibien und die Störung des Waldes.

Mit viel Mühe erzielen sie das Gespräch mit Ämtern und Zeitungen. Sie halten sich aus scheinheiligen Tierschutzvereinen und Naturschutzvereinen raus. Warum?

Weil sie wissen, wer hier am Ende doch alles alleine tut und wer am Ende ihre Arbeit, als die seine präsentieren wird, ohne einen Handschlag getan zu haben.

Die letzterzielten Ergebnisse ihrer Arbeit sind weit von ihrer Idee entfernt, dennoch bezeugen sie klar „eines“: Die Naturschützerinnen wurden gehört und nicht übersehen!

Baumstämme als Blockaden gegen parkende Autos am Rand des Waldweges wurden aufgepflockt.

Schwellen gegen Raser wurden auf dem asphaltierten Waldweg angebracht.

Schilder mit der Bitte aus Rücksicht gegenüber Salamandern im Schritttempo zu fahren wurden aufgestellt.

Die Einrichtung von Biotopen wurde vom Regierungspräsidium Stuttgart veranlasst und auch der Gutachter des Regierungspräsiums hat sich die Arbeit der beiden aktiven Kämpferinnen angeschaut und alles ringsum geprüft.

Das Freilichtkino des hiesigen Naturtheaters durfte durch Wirkung von Anita und Katrin 2019 nur zu Fuß besucht werden.

2020 wurde das Freilichtkino gleich in die Stadt verlegt.

Am Rande des Naturschutzgebietes erlangten die beiden das Aufbauen von Schildern: Einfahrt für Kraftfahzeuge von 20 bis 6 Uhr verboten.

Die Ironie ist leider, dass fast alle, die den Amphibien und dem Wald gefährlich werden können, durch ein Zusatzschild aus der Regelung ausgenommen worden sind.

Anita und Katrin sind von Februar bis November bei jedem Regen und bei Feuchtigkeit mit dem Absammeln der Amphibien von der Fahrbahn (Ja, wegen Bestandschutz) beschäftigt.

Auf ihren Grundstücken haben sie zusätzliche kleine Biotope angelegt, die die Funktion haben sollen, während der Dürre des Sommers, die vagabundierenden Tiere vor Austrocknung zu retten und sie wenn möglich jederzeit von den befahrenen Wegen abzulenken.

Biotope dienen auch zum Ablaichen, beziehungsweise Ablegen von Larven und als Nahrungsstützpunkt. Es ist alles besser als die eingerichtete Festplatte auf der asphaltierten Fahrbahn mitten durch den Wald, wo durch den erwärmten Boden die Insekten angezogen werden und die Amphibien anlocken.

© A. Wagner

Überfahrenwerden, Lichtemission, Krach und Luftverschmutzung werden hier allen Tieren zum Verhängnis. Greifvögel verenden an Windschutzscheiben und Autofronten, weil sie ihren Sturzflug beim Jagen nicht bremsen können. Nachaktive Tiere werden geblendet und sichtbar für Beute. Tagaktive Tiere haben keine Ruhe zum Schlafen. Die Luft wird durch Abgase verschmutzt und Ölrückstände finden den Weg in den Waldboden, mal abgesehen von dem Müll  und den Hundehaufen, die die störenden Fahrgäste hinterlassen. Hier gibt es nicht nur Naturtheater, Retrofirma, Schützenverein, Hundeschule und Partys. Hier ist auch ein Treffpunkt für Sexdates und „Querdenker“.

Hier werden sogar als Sicherheitsmaßnahme für die Fahrgäste vom Forstamt die Büsche geschnitten und Bäume angeschnitten und abgesägt. Hunde können hier frei umhertollen, Tieren nachstellen und in anliegende Gärten rennen. Angriffe auf Menschen von solchen gibt es auch.

Grillen darf man auch bei massiver Waldbrandgefahr und sogar rauchen.

Hier ist alles möglich, was auf dem Regelschild vom Naturschutzgebiet verboten wird.

Anita und Katrin dürfen niemals aufgeben, auch wenn sie Jobs oder Probleme haben oder bei Krankheit schwächeln. Sie bekommen nämlich fast nie Hilfe.

Sie kämpfen gegen zu wenig Kontrolle des Naturschutzgebietes durch Ordnungsamt und Polizei, gegen dauerhaftes Durchfahren mit Kraftfahrzeugen, gegen Aufwiegelung der Nachbarn, die durchfahren wollen und und und.

Naturschutz und Tierschutz bedarf der Arbeit eines ganzen Lebens …

Anita und Katrin freuen sich über jede ernst gemeinte Hilfe und geben nicht auf: „Wir hören erst auf, wenn hier von 21.30 Uhr bis 6 Uhr keine Autos mehr durchfahren und auch die anderen Naturschutzregeln eingehalten werden.“

Das ist ein hohes Ziel für „ihren“ geliebten  Wald, den man zurecht als Lunge, beziehungsweise Filter der Natur bezeichnen darf.

Wenn sich hier alles fortsetzt wie bisher, sterben weiter an jedem Regentag 25 bis 50 Prozent der gesichteten Amphibien. Mitunter haben Anita und Katrin an Sommerregentagen schon bis zu 75 Salamander abgesammelt, in der Zeit von 21.30 bis 1 Uhr morgens. Gegen 1 Uhr fahren endlich die letzten Autos raus und die beiden Frauen können durchgefroren nachhause gehen, nachdem die Fahrgäste ihren Spaß hatten und ungefähr halb soviele Tiere überfahren haben wie abgesammelt worden sind.

Bei der Website WBR-Naturworld.de können sie lesen, was Anita und Katrin sonst noch im Wald machen. Auch der Kontakt mit ihnen ist über diese Seite möglich. WBR-Naturworld.de.dtl

Anita und Katrin freuen sich über Nachahmer und Mithelfer.

(Quelle: „Katilex“, Schreiberin der WBR-Naturworld)

© pixabay

Pressestimmen: https://www.leonberger-kreiszeitung.de/inhalt.naturschutzgebiet-laengenbuehl-autos-kosten-viele-salamander-das-leben.6e22276c-8453-4c9c-aeec-3a6b3a4c6f3b.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.naturschutzgebiet-laengenbuehl-diskussion-um-salamander-bleibt-emotional.721a0d25-dd6f-40b5-9ada-20d5775cf6fa.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.naturschutzgebiet-laengenbuehl-autos-kosten-viele-salamander-das-leben.6e22276c-8453-4c9c-aeec-3a6b3a4c6f3b.html

… weitere Informationen: Erläuterungen zum Landschaftsplan der Stadt Renningen

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