Neue Uranmüllexporte von Gronau nach Russland unverantwortlich

BMU hat Atomkraftgegner seit 2018 falsch informiert

Noch drei Uranmüllexporte in diesem Jahr

Mit großem Entsetzen und scharfer Ablehnung reagieren Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland, Bonn und dem Wendland sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) darauf, dass der Gronauer Urananreicherer Urenco nach einer zehnjährigen Pause erneut erhebliche Mengen abgereicherten Uranmüll nach Russland exportiert. Insgesamt 12 000 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid (UF6), das bei der Urananreicherung in Gronau sowie in den Schwesteranlagen Almelo/NL und Capenhurst/UK in großen Mengen als Abfallstoff anfällt, sollen bis 2022 nach Novouralsk bei Ekaterinburg am Ural zur dauerhaften Lagerung verbracht werden. Seit Mitte Mai wurden insgeheim schon 4200 Tonnen mit sieben Uranzügen von Gronau über Münster und Hamm zum Hafen Amsterdem verbracht, wo es per Schiff weiter nach St. Petersburg geht. Damit umgehen Urenco und die deutschen Miteigentümer RWE und EON hier in Deutschland die kostspielige und komplexe Endlagerung des Uranmülls – ein klarer Verstoß gegen das Exportverbot für Atommüll, der in Deutschland produziert wurde.

Die AtomkraftgegnerInnen sind insbesondere über die dubiose Rolle des Bundesumweltministeriums (BMU) bei dem Geheimdeal empört. In zwei Briefen vom Sommer 2018 und Frühjahr 2019 hatten mehrere Anti-Atom-Initiativen und Verbände beim BMU explizit zum aktuellen Sachstand bei der Lagerung des abgereicherten Urans in Gronau nachgefragt. Ursprünglich geplant war mit dem Genehmigungsbescheid von 2005 die Umwandlung des chemisch eher instabilen UF6 aus Gronau in Uranoxid (U308). Über 12 000 Tonnen abgereichertes UF6 aus Gronau wurden in Südfrankreich auch bereits nach offiziellen Angaben umgewandelt. In Gronau steht seit 2014 eine Lagerhalle für Uranoxid mit einer Kapazität von fast 60 000 Tonnen. Diese wird bislang nicht genutzt.

Mit Schreiben vom 16. August 2018 hatte das BMU wörtlich zur langfristigen Lagerung des abgereicherten Urans in Gronau geantwortet:

„Das Uranoxid-Lager ist baulich fertiggestellt, ein Antrag auf tomaufsichtliche Zustimmung zur Inbetriebnahme liegt der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde [in Düsseldorf] allerdings derzeit nicht vor. Wann ein solcher Antrag gestellt wird, liegt in der unternehmerischen igenverantwortung der URENCO Deutschland GmbH.“

Zu diesem Zeitpunkt war jedoch schon klar, dass Urenco überhaupt nicht mehr vorhatte das abgereicherte Uranhexafluorid zur langfristigen Lagerung in Uranoxid umzuwandeln und dann in Gronau entsprechend zu lagern. Zum gerade erfolgten Abschluss des Russland-Deals verlor das BMU kein Wort!

Auch bei einem Fachgespräch mehrerer Initiativen und des BBU im Bundesumweltministerium in Bonn am 9. Oktober 2018 wurde das Thema Uranmülllagerung explizit erörtert, aber keiner der vier BMU-Vertreter wies auf den erfolgten Abschluss des Exportdeals hin.

Noch weniger wahrheitsgetreu antwortete das BMU in einem undatierten Schreiben vom September 2019. Dort heißt es als Antwort zum aktuellen Sachstand für die dauerhafte Lagerung von Uranhexafluorid (UF6) und Uranoxid (U3O8):

„Ende Juli 2017 hat die Betreiberin [Urenco] in der Presse verlautbaren lassen, dass die Inbetriebnahme [des Uranoxidlagers in Gronau] nicht prioritär angegangen wird und der Antrag auf Inbetriebnahme dann gestellt wird, wenn die agerkapazitäten tatsächlich gebraucht werden. Im Juni 2018 hat die Betreiberin offiziell erklärt, dass eine erste Einlagerung nicht vor 2024 vorgesehen ist.“

Die Frage nach dem Verbleib des Gronauer UF6 verbleibt komplett unbeantwortet und die Tatsache, dass bereits seit Mai 2019 die Uranmüllexporte nach Russland wieder aufgenommen wurden, wird mit keiner Silbe erwähnt. Alles dreht sich nur um das leere Uranoxidlager in Gronau.

„Diese offensichtliche schriftliche Desinformation seitens des BMU ist absolut inakzeptabel. Hier entsteht mit dem heutigen Wissen der Eindruck, als habe das Bundesumweltministerium gezielt versucht, den Export von abgereichertem Uranmüll von Gronau nach Russland so lange wie möglich geheim zu halten. Im Endeffekt hat das BMU damit Urenco tatkräftig unter die Arme gegriffen, um eine öffentliche Debatte zu vermeiden. Wir fordern vom BMU nunmehr einen sofortigen Kursschwenk und ein Verbot weiterer Exporttouren von Gronau,“ erklärte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

„Wir hatten gehofft, dass sowohl Urenco wie auch die Bundesregierung und die Atomaufsicht in Düsseldorf mit dem Auslaufen der Exporte vor zehn Jahren zu einer besseren Einsicht gelangt waren. Russland ist nicht die Gronauer Atommülldeponie. Doch heute erleben wir mit Empörung, dass anscheinend nur die kostengünstigste Variante zur Vermeidung einer sicheren Entsorgung in Deutschland zählt. Dagegen werden wir gemeinsam mit unseren russischen PartnerInnen protestieren,“ ergänzte Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau und Vorstandsmitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Nächster Uranmüllexport von Gronau nach Russland schon am 28. Oktober?

Nach den jetzt veröffentlichten Infos rechnen die Anti-Atomkraft-Initiativen für dieses Jahr noch mit drei weiteren Uranzügen von Gronau nach Russland. Der nächste Uranzug könnte schon am kommenden Montag, 28. Oktober vormittags die Urananreicherungsanlage Gronau verlassen. Zahlreiche Uranwaggons wurden schon auf dem Gelände der UAA Gronau gesichtet.

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