Anti-Braunkohle-Proteste zur „Dialogveranstaltung“ der Landesregierung


„Wald & Dörfer bleiben“ – Proteste zu Braunkohle-Veranstaltung der Landesregierung angekündigt

Anwohnende prangern Abrisse in Morschenich an und fürchten um Erhalt des Hambacher Forsts

Anwohnende aus dem geretteten Dorf Morschenich-alt sowie Unterstützer*innen kündigen für Donnerstag den 29. Oktober Protest an. Anlass hierfür ist eine “Dialogveranstaltung” der Landesregierung zum Entwurf der neuen Leitentscheidung zur Braunkohle. Mit dem Erscheinen des Entwurfs vergangene Woche hat in Morschenich-alt der Kohlekonzern RWE in Zusammenarbeit mit der zuständigen Gemeinde Merzenich mit dem Abriss von 37 Häusern begonnen – ohne die Menschen miteinzubeziehen, die noch im Ort wohnen oder dorthin zurückkehren wollen. Der Entwurf zur Leitentscheidung sieht vor, dass Morschenich verschont, das Dorf Manheim jedoch vollständig abgebaggert wird. Der Hambacher Forst wiederum würde nach Planungen von RWE sowie Kiesgrubenbetreibern zu einer Insel inmitten von Gruben gemacht. Die Mahnwache der Kohle-Gegner*innen unter dem Motto „Wald & Dörfer bleiben“ beginnt am Donnerstag um 16 Uhr vor der Erfthalle in Kerpen-Türnich.

“Kaum wurde der Entwurf zur Leitentscheidung verkündet, rollten hier die Bagger an, um Fakten zu schaffen. Die Gemeinde Merzenich hat offenbar viele Pläne für unseren Ort, aber wir, die sinnlos zwangsumgesiedelt wurden, werden in die Planungen nicht einbezogen. Es muss Schluss sein mit dieser ewigen Fremdbestimmung! Wir fordern einen Stopp der Abrisse, eine Ansprechstruktur für Menschen, die in den Ort zurück wollen und einen echten demokratischen Prozess zur Gestaltung von Morschenich“, so Jürgen Gerden, Landwirt aus Alt-Morschenich, der 2018 umsiedeln musste.

Naturführer Michael Zobel ergänzt: “Der Hambacher Wald gilt, genau wie Morschenich, als gerettet. Aber die Landesregierung will RWE mit der Leitentscheidung erlauben, bis 50 Meter an die Bäume heranzugraben und behauptet, der Wald brauche keine Bewässerung, er bekomme genug Niederschlag – im dritte Dürrejahr in Folge! So wird der Wald langsam sterben, zumal auf seiner Rückseite neben der Fortsetzung des Tagebaus über Manheim hinaus eine gigantische Kiesgrube entstehen soll. Besonders widerlich ist, dass Armin Laschet sich dabei als Retter des Hambacher Forsts darstellt. Aber wir haben nicht vergessen, gegen wen wir den Wald verteidigen mussten und wir werden das auch weiterhin tun.”

In der Erfthalle in Kerpen findet am Donnerstag um 18 Uhr die zweite „Dialogveranstaltung zur Öffentlichkeitsbeteiligung zur neuen Leitentscheidung Braunkohle im Rheinischen Revier“ der Landesregierung NRW statt. Das Bündnis von Tagebau-Betroffenen „Alle Dörfer Bleiben“ übt scharfe Kritik an der “Öffentlichkeitsbeteiligung” der Landesregierung, weil es den Prozess nicht für ergebnisoffen hält. Bereits bei der ersten Veranstaltung in Erkelenz vor zwei Wochen war es zu Protesten gekommen.

(Quelle: Pressemitteilung „Alle Dörfer bleiben“)

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