Das für Atomtransporte zuständige Bundesamt BASE hat am Freitag der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ mitgeteilt, es gebe eine „leichte Verzögerung“ für die Erteilung der Genehmigung für Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll aus dem Forschungsreaktor Garching bei München. Nach Informationen der Münsterländer Anti-Atomkraft-Initiativen hätte diese Genehmigung in der vergangenen Woche überraschend als Erste erteilt werden sollen. Den Grund für die jetzige Vertagung nannte die Atombehörde nicht. Die Anti-Atomkraft-Initiativen rechnen nun mit einer Genehmigungserteilungin der letzten Augustwoche – und das dann auch für die Castor-Transporte aus dem Forschungszentrum Jülich, die bis dato fast allein im öffentlichen Fokus gestanden hatten.
Die BI „Kein Atommüll in Ahaus“ veranstaltetaufgrund der sich zuspitzenden Lage kurzfristig schon heute um 18 Uhr eine erste Protest-Mahnwache vor dem Zwischenlager in Ahaus. Am Sonntag, 31. August, wird dann um 14 Uhr ein außerordentlicher Sonntagsspaziergang am Zwischenlager in Ahaus stattfinden – und für den 4. Oktober ist eine große Demo in der Innenstadt von Ahaus geplant. Die Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und Jülich fordern aus Sicherheitsgründen und aufgrund der ungeklärten Endlagerfrage einen Verzicht auf die Atommülltransporte sowie die fortgesetzte Zwischenlagerung vor Ort.
Mit großer Sorge sehen die Initiativen, dass sich nunmehr die bayrische Staatsregierung verstärkt ins Zeug legt, um eine Genehmigung zur Einlagerung und zum Transport ihres hochradioaktiven Atommülls aus dem Forschungsreaktor Garching ins Zwischenlager Ahaus zu erwirken. Offensichtlich erhält Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dabei tatkräftige Unterstützung von der neuen Bundesforschungsministerin und Parteikollegin Doro Bär (CSU). Seit 2020 liegt der Forschungsreaktor der staatlichen TU München wegen mehrerer Zwischenfälle und Reparaturen still. Ein Wiederanfahren ist praktisch nur möglich, wenn zeitgleich auch der dortige hochradioaktive Atommüll abtransportiert wird, da Bayern sich weigert, eine dauerhafte Lagerung vor Ort zu garantieren.In Garching kommt zudem bis auf 93 Prozent angereichertes Uran 235 zum Einsatz – damit ist das Uran atomwaffenfähig. Eine Umrüstung auf niedrig angereichertes Uran ist noch in weiter Ferne. Das stößt seit langem auf Kritik.
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„Was die Gewerkschaft der Polizei für die Transporte von Jülich nach Ahaus befürchtet, käme für die rund 700 Kilomter lange Autobahnstrecke von München nach Ahaus doppelt und dreifach zur Geltung. Ein reiner Wahnsinn, der nur dazu dient, den immer noch aktiven nuklearen Träumen der bayrischen Staatsregierung den Weg frei zu machen. Das lehnen wir entschieden ab. Wir fordern, dass der Ahauser Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, diesen Irrsinn seinem Parteifreund Markus Söder ausredet“, erklärte Matthias Eickhoff von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.
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„Die erneute Verzögerung bei der Genehmigungserteilung durch das BASE offenbart, wie schwierig die Materie ist. Diese Probleme dürfen nicht auf die Autobahnen verlagert werden. Auch in Ahaus läuft die Lagergenehmigung schon 2036 aus – und wohin soll der Atommüll dann gebracht werden? Die jetzt geplanten Atommülltransporte sind ohne vorige Klärung der Endlagerfrage völlig sinnlos. Wir fordern deshalb erneut eindringlich eine politische Lösung der Atommüll-Lagerung und sofortige direkte und ernsthafte Gespräche zwischen Bundesregierung und NRW-Landesregierung. Dafür gehen wir heute mit unserer kurzfristigenMahnwache und am 31. August mit dem außerordentlichen Sonntagsspaziergang am Zwischenlager in Ahaus auf die Straße – die Vernunft muss endlich zurück an den Verhandlungstisch. Das ist das Mindeste, was wir als Bürgerinnen und Bürger erwarten können“, so Janna Dujesiefken und Burkhard Helling von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.